Schlossbesitzer: Gerhard Steding

Stand: 20.10.2003/10.12.2019

Die knappen Daten zu einigen Besitzern des Bramstedter Schlosses will ich zunächst mit Notizen füllen, die ich im Internet fand. Einer dieser Besitzer ist:

Ger(har)d Steding

Die Gesellschaft für Familienforschung eV in Bremen gibt jährlich Hefte unter dem Namen  „Blätter der „Maus““ heraus.
In Heft 21 aus November 1999 werden Familiengräber im Bremer St. Petri Dom beschrieben, darunter auch der Name Steding.

In der „Maus“ heißt es:
“ Die Familie Steding (auch Stedingk oder Stedingen) stammt wohl, wie der Name sagt, aus dem Stedinger Land. Die Stedinger, im Mittelniederdeutschen als „Gestadebe-wohner“ bezeichnet, waren ursprünglich freie Bauern in den Marschen der Unterweser gewesen, die seit Beginn des 13. Jahrhunderts die Abgabe des „Zehnten“ an den Bremer Erzbischof verweigert hatten. Nach tapferer Gegenwehr unterlagen die Stedinger am 25.5.1234 in der Schlacht bei Altenesch nahe Bremen der Übermacht des Kreuzfahrerheeres Erzbischof Gerhards II. 1)
Die Familie Steding gehörte schon seit dem 13. Jahrhundert zu den erzbischöflichen
Dienstmännern in Bremen und seinem Umfeld. Sie war ein ritterliches und bürgerliches Geschlecht, das Ratmänner und später auch Bürgermeister stellte. 2)
Die Familie Steding war weit verzweigt, und es ist bisher nicht gelungen, die verschiedenen Zweige der Familie genealogisch vollständig aufzuarbeiten.
Nach wie vor ist z.B. die Warnung Fahnes richtig, nach der die „Westphälischen … von den Bremischen und Neumärkischen Stedings wohl zu unterscheiden sind“ 3), und nicht zu Unrecht schloß bereits Mushard seinen Artikel „Von den Stedingen“ mit der Bemerkung: „Doch ist von fernerer Propagation dieser Familie keine genug sichere Nachricht vorhanden. „ 4)
Diese Unsicherheit betrifft auch die im Dom begrabenen Heinrich, Arend, Gesche und Sophie Steding, und es erscheint wenig sinnvoll, Vermutungen über deren familiären Zusammenhang mit den vielen Ratsherren und Bürgermeistern, die diese Familie gestellt hat, vorzulegen. Es werden z.B. mehrere Wappen der Familie überliefert, und sogar von
den in Bremen nachweisbaren Stedings wurden mindestens drei Wappen geführt: eines mit goldenen Stiegen oder Treppens, eines mit blauem Schild, auf dem ein Helm mit weißen Flügeln abgebildet ist, die jeweils drei weiße Rosen auf rotem Balken überdecken und eines, bei dem aus einem dreimal geteilten Schildfuß ein Löwe herauswächsf. Welches dieser Wappen die folgenden Stedings trugen, ist wiederum nicht sicher.

Der Hinweis auf das Wappen mit Helm, weißen Flügeln und weißen Rosen auf rotem Balken führt allerdings direkt nach Bramstedt und dort in die Kirche. Im Epitaph neben der Kanzel für die 1586 verstorbene Tochter des Gerd Steding wird dieses Wappen abgebildet und weist damit den Weg in die Bremer Familie Steding. Vater gleichfalls Gerd (oo 1519 Gesche Trupe) und Großvater Arend, zu dem in der „Maus“ steht:

Arend Steding,

gestorben 1516, war verheiratet mit Gesche v. d. Tiever, gestorben am 26.7.1516.*) Seine Eltern müssen früh verstorben sein, denn urkundlich ist 1472 ein Vormund für ihn bezeugt. Ob die Nachricht von 1511, daß die „von Steding dem Domdechanten Mandelsloh ihren Hof zu Dahlenhusen“ übergeben haben 12), sich auf ihn bezieht oder auf den zeitgleichen Bürgermeister Carsten Steding, kann nicht entschieden werden.
Arend Steding hatte drei Söhne: Hans, Cord und Gerd, der 1519 Gesche Trupe, 1500-1572, heiratete I ] . Das Ehepaar Arend und Gesche Steding fand nach Gerhard Meyer (1828) ein gemeinsames Grab im Gang unter dem Doml.. später wurde es außerhalb des Doms im Glockenhof unter einer Grabplatte (Nr. 75 des Lageplans) bestattet.

*) Bremisches Jahrbuch 1864, Seite CX
Anno 1516 d. 26 July starif Geseke, Arend Stedings sine Hussfrowe, der Gott gnädig sey. Anno 1516 d. 21. Sept. starff Arend Steding, dem Gott gnädig sey. Darunter das Wappen der Steding und der von der Tiver.

Die familiäre Herkunft des Bramstedter Stedings ist also geklärt.
Im Internet findet man verschiedene (und differierende) genealogische Darstellungen. Eine ist diese Stammtafel in der zwar nicht Ger(har)d selbst, aber seine Eltern auftauchen:Stammtafel Steding


Fundstücke

Schule und Ausbildung
Gerhard Steding besucht die Schule des Molanus in Bremen und wendet sich dann einem Studium in Wittenberg zu (1557-62)
dazu in: https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/Emder_Jahrbuch/EJ09.pdf 
Jahrbuch der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer, Emden. Neunter Band. Darin: Über Johannes Molanus.   Von Oberlehrer a. D. B u n t e in Hannover. Johannes Molanus 1) oder, wie er eigentlich hiess, Johannes van der Molen 2),

Seite  36: Aus den mitgeteilten Programmen, Stundenplänen und Schulgesetzen können wir uns in betreff der Bremer Schule zur Zeit des Rektorats des Molanus (1563—1583) ein ziemlich genaues Bild machen.
Seite 38: Seinem früheren Schüler Steding, der Rechtswissenschaft studieren wollte, riet er, erst 2—3 Jahre sich mit den Redekünsten, mit  Moralphilosophie, Mathematik und Geschichte zu beschäftigen.
Seite 41: Die Korrespondenz des Molanus war eine sehr ausgedehnte.  Die erhaltenen Briefe sind besonders an folgende Personen gerichtet: 1. ..  — 6. Gerhard Steding aus Bremen. Er studierte in Wittenberg 1557—62.
Seite 44: 107, Heimann Winkel. Er war einer der Lehrer, die im Jahre 1562, als Vasmer und Steding Scholarchen waren, nach Bremen zurückgerufen wurden, nachdem sie kurz vorher ausgewiesen waren.

Immatrikulation:
Matrikel 1557 in Wittenberg  Gerardus Stedingk Bremensis
http://digital.bibliothek.uni-halle.de/hd/content/pageview/2513571 und https://www.civ-online.org/de/service/datenbank/#/matrikel/59cbe9a4d310d83800006067?offset=34


als Anwalt / Syndicus 1571
https://www.preussischoldendorf.de/media/custom/391_2454_1.PDF?1463645903&NavID=2863.8&La=1
Landkarte aus dem Jahre 1571 mit erstaunlicher Detailtreue aufgefunden. Bei der aufwendigen Kartenerstellung ging es natürlich um Geld, nämlich um Reichs – und Türkensteuern, die der Mindener Bischof Hermann von Schaumburg an den römisch-deutschen Kaiser/König bzw. den Reichshofrat zahlen musste
Gerhard Steding zu dieser Sachen verordneter Fürstlicher Mindischer Syndikus.


https://de.wikipedia.org/wiki/Hieronymus_Schultze
als gottorfischer Vizekanzler (ab 157?)
Wann Gerd Steding in Dienste der Hofes Holstein-Gottrof trat und wann er Vizekanzler wurde, habe ich noch nicht ermitteln können [Stand: 12/2019]
Seine Heirat mit der Witwe des Caspar Fuchs, der Kanzler der Deutschen Kanzlei in Kopenhagen war, läßt aber den Schluss zu, dass er zum dem Zeitpunkt „von Stand“ war.

Kanzler in Holstein Gottorf waren zu seiner Zeit:
Adam Tratziger (Kanzler 1558-1584); Hieronymus Schultze (Kanzler 1584 – 1591);


Diplomat für Holstein-Gottorf (1578)
https://archive.org/details/historiskesamli01rrgoog/page/n352?q=gerhard+steding
S. 341 Gerhard Steding „til Brambsted“ erwähnt für 1578 zusammen mit Heinrich von Ahlefeldt von Satrupholm als Gesandten des Königs Christian III. nach Linz „Königlich Dännemarkischer und Fürstlich Holsteinischer Abgesandter“


in kirchlichen Ämtern: (1586)
Steding, Gerhardus, Canonicus der hohen Stifts=Kirche von An. 1586 den 18. April, starb in Schweden An. 1604 den 23. Sept.
in Beuthers Hamburgisches Staats- und Gelehrten-Lexicon S. 368
https://digitalisate.sub.uni-hamburg.de/detail/?tx_dlf%5Bid%5D=3442&tx_dlf%5Bpage%5D=327&tx_dlf%5Bdouble%5D=1&cHash=0e34594eab59714c66f1c285f3b61ee8


als gottorfischer Vizekanzler (1591)
https://archive.org/details/bub_gb_G6YOAAAAYAAJ/page/n271?q=%22Gerd+steding%22
S. 82 ff.
Nachfolge des verstorbenen Herzogs Philipp von Holstein-Gottorf

https://archive.org/details/bub_gb_88RCAAAAcAAJ/page/499/mode/2up?q=steding S. 500
1592 wird er als Nachfolger in der Position des Landvogts von Dithmarschen vorgesehen, seine Ernennung scheitert aber am Widerstand der Dithmarscher. Es heißt dort in der Fußnote „203). [Antonius Heimreich] Walther [Ditmarsische Chronik] S. 241. 246. 247.  wo zugleich gemeldet wird, daß die Landes: Herrshaft 1592 am 2. März Gerdt Steding von Bremen, also. eine nicht aus Dithmarsen gebürtige Person, zum Landvogt bestellen wollen, aber die Ditmarser dagegen eingekommen.“

https://archive.org/details/geschichtedesre00dhgoog/page/360/mode/2up?q=%22gerdt+steding%22
( Geschichte Schwedens 1, von Olof von Dalin S. 361) Beim Reichstag in Linköping am 27. Februar 1600 zusammen mit Clement Laderdorf als Gesandte des Herzogs Johann Adolf von Holstein.


Andere Angaben zur Familie Steding gefunden bei: http://home.t-online.de/home/irmiGS/sattelhof.htm und ergänzt um einige andere Fundstücke

Der ‚Sattelhof‘ ist die  älteste Blumenthaler Hofstelle und wird zum ersten Mal im Jahre  1304 erwähnt, als er als „Vorborch tho  Blomendale“ durch die Ritter von Oumünde als Lehen  an den Knappen Cord Steding gegeben wird.

 1470 verkauft dessen  Sohn Karsten den freien Sattelhof „geheten  de Borchwall, so de bowen den Blomendale belegen“ für 125 Bremer  Mark an den Kirchherrn Hohann Steding und die Bremer Bürger Arend  Steding und Heinrich Vreyen.

 1579 gehört Burgwall  dem Bremer Bürgermeister Karsten Steding und seinem Bruder Gerhard.  Erbe wird zunächst Karsten Stedings Witwe Köneke von Borken  und 1628 deren Sohn Arnold Steding (* 4.1.1591, + 1628). Karstens Tochter Rebecca (* Bremen 4.2.1626, + Bützow 20.12.1677) verkauft  „das freye Gut zu Borchwalle“ für 600 Reichstaler an  den Rat der Stadt Bremen und damit an Haus Blomendal. Es wird jeweils  durch einen Meier, der zinsabgabe- und spannpflichtig ist, vom Haus  Blomendale aus vergeben.

steding_blumenthal1600BLUMENTHAL um 1600 (nach Dillich aus Alfred Tietjen  : „Blumenthal – meine Heimat“)

Erst 1839 wird der Besitz,  ermöglicht durch das eingeführte Ablösungsgesetz, von  dem ehemaligen Meier Johann Burgwall käuflich erworben. Dieser  bleibt ledig und kinderlos und vererbt den Hof an den Sohn seiner Schwester  Lücke Burgwall – Diedrich Krudop. Dessen Nachfolger Hinrich Krudop  (1877 mit Mathilde Schulken getraut) betreibt noch eine kurze Zeit die  Brauerei und die inzwischen auf Burwall eingerichtete Sommerwirtschaft.  1882 verkauft er den etwa 30 ha großen Grundbesitz an den Bremer  Reeder und Konsul Olmann Thyen für 72.000 Goldmark. Das Anwesen  wurde 1927 und 1936 von der Gemeinde Blumenthal zurück gekauft.

Auch heute wird der Sattelhof  – wie schon zu meiner Jugendzeit – als Freizeitstätte genutzt.  Und ohne damals gewusst zu haben, daß auch einige „Borgwalls“  zu meinen direkten Vorfahren gehören, hab ich mich dort immer sehr  wohl gefühlt.

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