Kühl / Schadendorf: Aus den ersten Kirchenbüchern – Geschichte Bramstedts

Die Bad Bramstedter Kirchenbücher sind vielfach von den Chronisten des Ortes genutzt worden. August Kühl setzte sich hin und schrieb seitenweise (in Stenographie) daraus ab und sein Sohn Christian Kühl brachte es 1910 in Lateinsiche Schrift und später er oder seine Mutter in Maschinenschrift (Zeitraum 1554 – ca. 1800).
Diese Aufzeichungen gebe ich hier ungekürzt wieder, auch wenn das eine oder andere an anderer Stelle auf dieser Homepage auftaucht.
Anmerkungen zu der ins Internet gesetzten im Jahr 2016 sind in [] Klammern gesetzt. Übertragungsfehler von A. Kühl aus den Kirchenbücher in Stenografie bzw. von A. Kühls Stenografie auf Chr. Kühl Hand-/Maschinenschrift sind nicht geprüft worden. Die Symbole für Mark, Schilling, Pfenning in Kühls Abschrift sind ersetzt durch Kürzel Mk., Sch., Pfg.

Abschrift: Auszug aus denen vorhandenen alten und neuen Kirchenbüchern, enthaltend verschiedene, insonderheit Kirche-Sachen betreffende Nachrichten, gesamlet im Jahr 1756.

Die ersten Nachrichten, so man in  den Ältesten Kirchenbuche findet, fangen sich an, gleich nach der hier in Holstein angenommenen Reformation Luthers, von Ano 1554 [Reformation in Schl.-Holst.]. Es wird daselbst zuerst der Kirchen-Geschwornen gedacht, und nimmt auch schon zu dieser Zeit das Messen des Kirchenroggens und Erlegung der Kirchen-Grund-Heuer an Gelde seinen Anfang. Da denn solches herrührt teils von liegenden Gründen, so der Kirche ehemals zugehört, und Kirchen-Sade genannt wird, theils von ausgelehnten Capitalien, wovon das meiste schon damals auf solche Weise eingethan worden, daß es nicht wieder zu lösen, welches denn ausdrücklich dabey  angemerkt. Die Kirche wird bey dieser Gelegenheit genannt Maria Magdalena.

Anno 1568 sind Kirch-Juraten gewesen: Diedrich Röhlfink in Bramstedt, Hans Schacken in Wiemersdorf, jung Hinrich Kruse in Barl, Jasper Martens in Armstedt. Von denen auf einander folgenden Predigern findet sich hiernach ein besonderes Verzeichniß.

Anno 1569 den 12. Mai ist die erste Kirchen-Rechnung gehalten, und nur eigentlich untersucht worden, was die Kirche vor Einkünfte habe, durch den Herrn Probsten Johannes Vorstius und den Schreiber des Herrn Statthalters, Fritz Ponen unterschrieben. Es ist unter andern bei dieser Untersuchung in der Garve-Kammer in einem verschlossenen Eisen gefunden worden: eine silberne Monstranz , zwey vergoldete Kelche mit einem Potten, eine silberne Puhsche und silberne Löffel, noch zum Gebrauch bey den Kranken: ein kleiner silberner Kelch und ein zinnern Pott.

Anno 1570 den 25. April ist die andre Kirchen-Rechnung gehalten in Beysijn des damaligen Probsten, Herrn Johannes Vorstius. Die Kirche hat derzeit einzunehmen gehabt: 8 Drömt 21 Himpen Roggen (ein Drömt 12 Scheffel, ein Scheffel 2 Himpen). Der Scheffel Roggen ist verkauft vor 12 Sch. und ist· die Einnahme in dem Jahre gewesen 179 Mk. 14 Sch. 6 Pfg.. Mit Aufnahme der Rechnung ist von der Zeit an alle Jahr continuiret.

Anno 1573 den 29. Mai auf eine recht solenne [feierlich, festlich] Weise Kirchen-Rechnung gehalten. Es sind damals zu dem Ende gegenwärtig gewesen: der Herr Probst Johannes Vorstius, Herr Nicolaus Winterberg, Pastor zu Hilligensteden, Magister Isaac, Pastor zu Bramstedt, Herren Paul Kaisers und Detlev Wolters, Bediente des Herrn Statthalters Hinrich Ranzau, der Herr Kirchspielvogt Jürgen Vagt, die alten und neuen Kirchen-Geschwornen, und noch acht deputirte Männer aus der Gemeinde. In diesem Jahr ist der Scheffel Roggen verkauft vor ein Gulden. Auch ist das MaI eine Orgel zum Gebrauch in der Kirche verfertigt, kostet an Lohn und Zehrung 147 Mk. 1 Sch. 4 Pfg..

Anno 1577. Da die Kirche neu gedeckt, ist zu Bestreitung der Kosten die silberne Monstranz verkauft worden, und hat dieselbe gewogen 58 Loth [1 Loth = ½ Unze = ca. 14-18 Gramm], das Loth vor 14 Sch.

Anno 1578 sind zwey von den Glocken umgegossen, kosten 365 Mk. 4 Sch..

Anno 1589 ist die Küsterey neu gebaut, und kostet das ganze Gebäude mit Einkauf des Holzes, Bau und Sager-Lohn, und allem andern 285 Mk. 10 Sch.

Anno 1592 Michaelis [29. September] ist aus der Kirche folgendes gestohlen, so in der Kirchen-Kiste ist verschlossen gewesen, an Gelde: 87 Mk. 3 Sch., noch 75 Mk. 6 Sch. samt einem Kelch und einem silbernen Löffel, und ist an Gelde nur 4 Mk. in der Kiste geblieben.

Anno 1595 wiederum eine Glocke gegossen, wovon die Rechnung sich erstreckt auf 555 Mk. 2 Sch. 9 Pfg..

Der Herr Statthalter Hinrich Ranzau befiehlt, zum Gedächtnis ins Kirchenbuch zu setzen, daß Gerdt Steding sich weigert, der Kirche Zulage zu thun.

Anno 1598 hat der Herr Probst Johannes Vorstius zum letzten MaI die Kirchen-Rechnung  unterschrieben, sein Nachfolger ist gewesen Herr Matthias Klodius.

Anno 1606 den 16. September nach geendigter Kirchen-Rechnung verehrt Martin Mertens aus freiem Willen der Kirche 100 Mk., welche gleich nach seinem Tode die Kirchjuraten sollen in Empfang nehmen.

Anno 1616 Hans Mertens der Kirche verehrt 50 Mk. und den Armen zu Segeberg 30 Mk..

Anno 1626 hat der gewesene Kirchspiel-Vogt Herr Kaspar Vagt durch seyne hinterlassene Witwe Magdalena Vagts für seine Grabstätte der Kirche verehrt 100 Mk..

Anno 1634 hat die Kirche zu Bramstedt an ausstehenden Capitalien gehabt in allem 3159 Mk. r.B.

Anno 1635 ist eine Haupt-Reparation bey der Kirche geschehen, und ein neuer Turm aufgeführt worden, daher sich die Ausgaben in diesem Jahr belaufen auf 5605 Mk. 8 Sch.. Sonst ist auch auf Herrn Kaspar von Buchwalden, Rittern, Königlichen Landrath und Amtmann zu Segeberg, zu Pronstorf erbgesessen, nebst dem Herrn Probsten Vitus Barbarossa, die Kirchen-Rechnung durch den Amtsschreiber Herrn Matthias von Langen. Das Recht der Kirchen Fändung wird von dem Amtmann 1636 confirmirt, wenn das Pfand binnen 6 Wochen nicht eingelöset wird, soll es an den höchstbietenden verkauft werden.

Anno 1643, 44 und 45 haben wegen der schwedischen Bedrängniß und Kriegs-Trubeln die Kirchen-Rechnungen nicht abgelegt werden können.

Anno 1647 am Sonntage Jubilate [12. Mai 1647] ist durch Gottes Gewitter großer Schaden  am Kirchturm geschehen, zu dessen Reparation von den Hufnern zugelegt 1 Rtr, von den Kätnern 1/2 Rtr, und von den Insten 12 Sch..

Anno 1648 ist den Montag nach Estomihi [(14.) 24. Februar 1648] in der Nacht um 11 Uhr ein großes Erdbeben entstanden und Sturmwind, wodurch der Kirchturm heruntergeschlagen und die Kirche großen Schaden erlitten. daß 6 neue Balken samt dem Sperwerk wieder haben hineingebracht werden müssen. Damals ist von dem Herrn Amtmann Buchwaldt verordnet, daß zu der ersten Zulage jede Feuerstätte ohne Unterschied 2 Rtr geben sollte, hernach aber nach advenant [geschehend], die Hufner den ganzen, die Kätner den halben und die Insten den vierten Teil. Diese Reparation des Thurms, von dem entstandenen Erdbeben, hat gekostet 1287 Mk. 5 Sch. 6 Pfg..

Anno 1653.Die Hauerleute bey Ablieferung des Roggens mit den Kirchjuraten verzehrt 37 Mk., noch vor Angelegenheit Feuer und Licht 2 Mk., dem Volke Trinkgeld 8 Sch. zusammen 39 Mk. 8 Sch..

Anno 1671 sind die Kirchjuraten mit den Bauersleuten einig geworden, daß die bisher bey Lieferung des Roggens gewöhnliche Mahlzeit abgeschafft, und ihnen dagegen vor jeden Himpen 9 Pfg. zurückgegeben werden sollten. Den Kirchjuraten ist nachher von dem Herrn Kirchen-Visitatoren vor ihre Mühe jährlich 4 Rtr zugestanden worden.

Einige Observata des Herrn Pastoris Galenbecii.

Anno 1627 in der Ernte ist des römischen Kaisers Kriegsmacht über die Elbe gangen in Holstein und darin verblieben bis 1629, um Johannis [24. Juni].

Anno 1628 ist das Flecken Bramstedt den 3. Tag in Ostern [15./16.? April] angesteckt und in Feuer aufgegangen alles, was zwischen den 3 gestanden, von dem Hogen Thor über die Hudau und Mühlenstrom, in gleichen die Mühle, des Pastoren Haus und die 2, so dabey stehen.

Anno 1643 am 2. Advent [6. Dezember 1643] sind die Schweden unvermutlich in Holstein eingefallen, das Land hart gepresset bis 1645 um Michaelis [29. September], und nach erlangtem Frieden verlassen.

Anno 1644 ist das Kirchspiel Kaltenkirchen von ihnen abgebrannt in den heiligen Ostertagen.

Anno 1645 ist es wieder Friede geworden, worauf die Schweden das Land quittirt haben.

Anno 1654 den 7.April, ist der Roland wieder aufgerichtet, so die Kaiserlichen Jungen in Anno 1628 abgebrannt. Dieser Roland ist anno 1693, nachdem er ganz vermodert, umgeweht, und ein steinerner den 22. September an dessen Statt aufgerichtet worden. Es steht darauf im Oktober, allein, die Richtung, die man sobald nicht hätte vermuthet, ist im September geschehen.

Observata Quedam [Beobachtungen], circa annos 1657-60.

Die dreijährige Kriegszeit. Herr Pastor Detlev Galenbec.

Anno 1657 um die Roggen-Ernte, und zwar da der Roggen eben eingebracht gewesen, ist der König von Schweden Karl Gustav mit seinem damals unansehnlichen Kriegsheer aus Polen in Holstein kommen, von dannen er weiter in Jütland gezogen, und, nachdem er die Festung Friedrichsoer mit Sturm eingenommen, hat er dieselbe besetzt. Ist endlich durch Zulassung Gottes um Lichtmessen [2. Februar] aus in Anno 1658 über das Eis in Fünen, Seeland, Laaland, Falster usw. gangen, da dann Ihro königliche Majestät zu Dänemark Friede machen und den Schweden Schonen, Blekingen und andre herrliche Örter abtreten müssen. So ist auch die schöne Stadt Itzehoe, darum, daß sie sich zur Gegenwehr gesetzt, von Könige der Schweden mit allen Kirchen und dem Kloster in die Asche gelegt worden, ebenda als das schwedische Kriegsheer ins Land gekommen, am 7. und in folgenden Tagen des August-Monats [7. August 1658], nach welcher Einäscherung Rex Sueciae nach Kiel ins Haupt-Quartier gezogen.

Anno 1658 im Winter hat der König von Schweden den mit dem Könige von Dänemark gemachten Frieden wieder gebrochen, und hat de novo [von Neuem] denselben zu Wasser und zu Lande zu bekriegen, um den Herbst angefangen, der aber, in Ansehung er ihnen, den Schweden nicht können widerstehen, Holland, den Kaiser, Brandenburger, und den König von Polen Hülfe angerufen, die auch in großer Macht ihm zu Hülfe kommen, und ist ein erschreckliches Kriegsheer von so vielen Alliierten ein ganz Jahr in Dänemark und Holstein gewesen, daß das Land jämmerlich verzehrt, wie leichter zu gedenken als zu beschreiben.
Als man aber den Schweden zu Lande nicht weiter als in Jütland beikommen können, und das Land die Einquartierung unmöglich lange tragen konnte, als sind neun Regimenter von den Alliierten, als ein polnisches, vier Kaiserliche und vier Brandenburgische geblieben, mit den andern ist der Kurfürst von Brandenburg in Pommern gerückt, und haben daselbst einige der schwedischen Festungen belagert, da dann beim Ausmarschieren die Kur-Brandenburgische Armade durch Bramstedt gangen und im Kirchspiel und Flecken verquartieret worden, zwar so ist der Kurfürst in eigner Person den 29. August 1659 kommen und ist auf dem Hofe logiert worden, von dannen er den 30. wieder aufgebrochen. Die kaiserlichen. Völker aber sind von Neumünster nach Segeberg und so weiter fortgegangen. Dem Kurfürsten sind die Polen auf den Fuß gefolgt, welche am 1. September in gedachtem 59. Jahre zu Bramstedt (allwo sie auch, da sie ins Land in anno 1658 um Michaelis kommen, unvermutlich pernoctiret [übernachtet], und den Leuten, die sie übereilt, viel Pferde weggeraubt) angelangt, und , bis auf den 4. ejusdem, war der 14. Sonntag p.Tr., stillgestanden, da sie dann übel, übel hausgehalten; die Orgel und das Uhrwerk in der Kirche sind von ihnen ruiniert, ja sie haben der Toten, die in der Kirche begraben gewesen, nicht geschont, sondern, vielleicht in Hoffnung, Schätze zu finden, deroselben etliche aufgegraben, und die Särge in Stücke zerhauen. So haben sie auch im Altar was vermauert gefunden, was es gewesen, kann man nicht wissen. Mit wenigem, sie sind in und mit  dem Gotteshause barbarisch umgesprungen. Gott wolle alle frommen Christen vor solchen Tyrannen bewahren. Nach verübter großer Bosheit sind sie von Bramstede, allda sie in den vierten Tag gelegen, an vor specificierten 14. Sonntag p.Tr. wieder aufgebrochen und aus dem Lande gezogen. Und ist zu wissen, daß dies polnische Kriegsheer vom General Czarnetzki kommandiert und geführt worden.

Anno 1659 im November haben die königlich dänemarkischen, unter Kommando der Herren Feldmarschallen Hans Schacken und Albrecht von Eberstein, mit Zuziehung der neun Regimenter Alliierten, die im Lande geblieben, zusamt der holländischen Flotte, welche de Ruyter kommandiert, auf die Insel Fünen einen Versuch getan, dieselbe auch am 14.,15. und 16. November glücklich durch Gottes Hülfe erobert, alle Schweden, die darauf lebendig blieben, haben sich müssen auf Gnade und Ungnade ergeben, und so sind unter die, welche obgesiegt, verteilt worden,.
Der Generalmajor Bötmer von den Schweden ist erschossen, der Pfalzgraf von Sulzbach und ein andrer General sind davon gekommen. – Nachdem die Insel Fünen wieder in des Königs von Dänemark Gewalt gekommen, als hat man das polnische Regiment, welches der Obrister Raskinsky, der auf Fünen geblieben, kommandiert, lassen wieder zu Hause gehen, und ist des Obristen Körper voran, und selbiger am heiligen Weihnachtstage durch Bramstede geführt worden: das Regiment aber ist am 8. Januar, war der erste Sonntag p. Epiph. in Anno 1660 gefolgt, und zu Bramstede angelangt, daselbst auch bis auf den Freitag, war der 13. Januar, belegen blieben, da es dann fort und gar aus dem Lande gegangen. Diese Tyrannen haben bei ihrem Ausmarsch mit den Bramstedtern den Rest geteilt, die annoch übrige, wenige Orgelpfeifen haben sie volligst verderbet, ja, hätten wohl gerne, wenn sie nur können, den garaus gemacht.  Sie sind weit und seit geritten, und hat, weil es gefroren gewesen, nichts in Büschen und Morasten, so wenig an den benachbarten als an diesen Örtern können vor Ihnen verborgen bleiben.

Post mortem Caroli Gustavi Regis Sueciae, anno 1660 im Mai ist zwischen den nordischen Königreichen der gewünschte Friede geschlossen, worauf die acht Regimenter der Alliierten ebenda, als man mit dem Nachmat oder Etgrün beschäftigt gewesen, fortgangen, und das Land völIigst quittiert haben, worauf denn das Kirchspiel und der Flecken mit dänischen Völkern wieder belegt worden. Von den Schweden ist erst zu Bramstede gelegen der Oberster Stolzenberg, dem ist gefolgt der Oberster von der Osten, haben die Leute hart gepresset. Von den Brandenburgischen ist erst zu Bramstede gelegen der Oberster Hille, dem sind gefolgt der Oberster über die Dragoner Elias von Kaniz, wie auch der Oberster Greve, dessen Reuter zu Wiemersdorf und Hardebek gelegen, welche auch dem Flecken und dem Kirchspiel und Großes  gekostet. Gott wolle den armen Leuten ihren Schaden mit reichem Segen wieder erstatten, so denn vor all solchen, und derselbigen gleichen pressuren sie gnädiglich behüten um Christo Jesu willen.

Anno 1658, als der Obrister Alexander von der Osten zu Bramstede gelegen, ist der Herr Pastor Henricus Galenbecius in die Kirche gangen, und hat den Armenkasten gebrochen gefunden, darinnen nicht mehr als 10 Mk. gewesen, die er den Kirchgeschwornen gegeben, welche selbige, als die Kiste fertig wieder gewesen, wieder hineingelegt haben.
Anno 1668 am 16. April, ist im Flecken Bramstedt, morgens zwischen 9 und 10 Uhr, eine große Feuersbrunst entstanden, darin sieben Wohnhäuser, als Jasper Wulfs, Hinrich Fölsters, Marten Schulten samt der Schmieden, Metta Hartmanns samt dem dem Stall, Johann Krützfelds, Johann Hardebecks, Bartelt Gieselers, aufgegangen, da dann der Wind Südwest gewesen, und bei Jasper Wulfen das Feuer ausgekommen.

Anno 1676 in der Marie Magdalenen Nacht [22. Juli] um ein Uhr ist  im Flecken eine Feuerbrunst entstanden, darinnen drei Häuser, als Bartelt Gieselers, Johann Hardecken und Gerdt Wulfs aufgegangen, in Gerdt Wulfs  Haus ist das Feuer ausgekommen.
Anno 1677 den 23. Juni ist zu Bramstede eine· große Feuerbrunst entstanden, darin acht Wohnhäuser, als Hans Schacken, olde Hans Wulfen Abschiedshaus, Jasper Wulfen, Hans Steckmessen, Rötger Lindemann, Marx Redern, die Küsterei, Hinrich Lindemanns, und zwei Ställe, als Klaus Blunk und Hinrich Lindemanns aufgegangen. Der Schade kam daher, daß aus einem Ammunitionswagen der Hessischen Auxiliarvölker Pulver auf die Gasse gestreuet, worauf das Wagenrad Feuer gebracht.

Anno 1692, den 30. Oktober, war Dom. 23. p .Tr., nachmittags um halb zwei Uhr, da die Leute eben aus der Kirche kommen, sind im Flecken abgebrannt Klaus Vossen und Arend Wulfen Wohnhäuser.

Anno 1694 den 20 Juli, Freitags vor Dom. 7. p. Tr. zwischen 1 und zwei Uhr, hat das Gewitter in den Turm zu  Stellau geschlagen, die Spitze darauf heruntergeworfen, und die Stange, darauf der Hahn gesteckt, so glatt zerstückt, als wäre sie mit einem Schermesser geschnitten. Drei Balken sind auch zerschmettert und hat der Turm ob eine Viertelstunde gebrannt, so aber durch Gottes Gnade wieder gelöschet.

Weil anno 1669 in der Nacht von Freitag auf den Sonnabend vor Dom. 14. p.Tr. [21. September 1669] ein gottloser Mensch in die Kirche gebrochen, sodaß er auf einer Totenbahre ins Fenster gestiegen und aus dem Armenkasten allen Vorrat (darinnen zum wenigsten achtzig Mark  gewesen) leider herausgenommen, als hat nachher bis Fastnacht gesammelte, nicht weit reichen können, sind also von denen auf Rente stehenden Armengeldern 36 Mk. aufgenommen, welche nebst dem wieder Gesammelten, am Donnerstage vor Estomihi 1670 [16. Februar 1670] unter die Armen ausgeteilt worden. Und ist zu merken, daß von jeher bis noch lange nach dieser Zeit nur einmal im Jahr, nämlich in der Woche vor Fastnacht, das gesammelte Geld aus den Armenkassen genommen und unter die Armen verteilt worden.

Anno 1641. Weil die Kirchgeschwornen nur viermal im ganzen Jahr mit dem Armenbeutel umgangen, damit aber zur heiligen Notdurft etwas möchte gesammlet werden, hat ein ehrwürdiges Consistorium mit Consens unseres hochgebietenden Herrn Amtmannes, Herrn Casper von Buchwaldt, Rittern, königlichen Landrat; Erbgessen auf Pronsdorf, für gut angesehen, daß der Organist zu Bramstede sollte alle Sonntage mit der Becke umgehen, dafür sollte ihm sein Gebühr gegeben werden, wenn Distributation solcher kolligierten  Armengelder geschehen. Und sind zu dieser gewesen der Kirchenvorsteher M.  Vetus Barbarossa, Praepositus, Henricus Galenbecius, Pastor, Johann Vogt,

Kirchspielsvogt, Christian Hamerich, Organiste, Johann Bartels in Bramstede, Tewes Hardebeck in Wiemersdorf, Hans Mohr von Harbeck, Marx Gripp von Borstel, Kirchgeschworne.

Anno 1598 ist, anstatt des in 1592 aus der Kirche weggestohlenen Kelches ein neuer Kelch in Hamburg gemacht worden, kostet mit der Verguldung zusammen 25 Rtr. und 1 ort.

Nachdem die Orgel fertig worden ist anstatt des gewesenen ersten Küsters Caspar Röhlfink ein Organist angenommen, und demselben zum Gottespfennig gegeben 1 Rtr. Die Kirchgeschwornen haben dabei verzehrt 3 Mk. und 7 Sch.

In diesem 1573. Jahre ist die Garfkammer repariert, und die Kirche 9 Fach übergedeckt, hat gekostet an Maurer-Arbeitslohn 28 Mk., an Dachpfannen 16 Mk.,  neue Mauersteine 5 Mk. 5 Sch.,  26 Tonnen Muschelkalk à Tonne 12 Sch. , 11 Tonnen Segeberger Kalk, die Tonne vor 18  Sch. .

Da der Besitzer des Vikarihauses [in der Handschrift: Vogteihauses]  Rötger Lindemann sich geweigert, sowohl die 9 Mk. Grundheuer als auch eine Kirchenzulage von 6 Mk. zu bezahlen, und die Kirchjuraten deswegen bei der Glückstädtischen Regierung  mit ihm Prozeß führen müssen, auch denselben gewonnen, so hat Rötger Lindemann 1652 die Grundheuer von 5 Jahren her, zusamt der Zulage von 6 Mk. als zusammen 51 Mk.  bezahlen müssen. Indessen hat doch dieser Prozeß der Kirche gekostet 450 Mk. Wie es nachher wegen der Kosten abgelaufen, das ist nicht aufgezeichnet.

Verzeichnis der Prediger, wie dieselben seit der Reformation Lutheri bei der Kirche zu Bramstedt auf einander gefolgt.

  1. Herr Johannes von der Lippen.
  2. Herr Hermannus Burtfelde, wie auf dessen Leichenstein zu ersehen, 36 Jahr. [legte im Jahr 1546den Betrag von 450 Mk. Am Hamburger Rentenmarkt an, hier S. 38] Bei dessen Leben drei Diaconi, als Friedericus N., so weggezogen und elendiglich vor Lübeck soll gestorben sein. Herr Johannes Wasmohr, so in dem Fastelabend bei Hinrich Orths Haus von Eggert Buld erschlagen, und der Täter zu Segeberg geköpfet; Magister Isaac von der Burg,
  3. Dieser [M. Isaac von der Burg] ist nach Harmen Burfteldten Tode Pastor geworden, und hat der Kirche von anno 1570 gedient bis 79, wie die Kirchenrechnungen ausweisen, und darnach in der Wilster-Marsch zu Brockdorf vor einen Pastoren gefodert .
  4. Anno 1580 ist M. Casparus Ludolfi 5 Jahre Pastor geworden und gewesen, darnach in Hamburg vocieret.
  5. Anno 1585 ist Herr Johannes Hamerich, gewesener Diaconus zu Segeberg, Pastor geworden, und hat gedient der Kirchen Bramstede bis 1622. [1626 Kantor in Rendsburg, wurde Rektor der Rendsburger Schule. • 1643 vorübergehend Rektor der Lateinschule zu Heide. +1656 Rendsburg]
  6. Anno 1622 ist Herr Henricus Galenbecius Pastor geworden, bis 1659, da er am Sonntage Exaudi [25. Mai 1659], nachdem er vorher seines Amtes gewaltet, abends um 6 Uhr sanft und selig von dieser Welt abgeschieden.
  7. Anno 1660 ist Herr Detlevus Galenbecius an seines seligen Herrn Vaters Stelle gekommen, am Freitage in der Osterwoche in Krempe ordiniert, und folgendes am Sonntag Mis. D. [11. April 1660] von dem hochehrwürdigen Herrn M. Johann Hudemann, damals Probsten und nachgehends Generalsuperintendenten, introduziert worden. Gestorben 1687, am Sonnabend Estomihi [9. Februar 1687], morgens um 7 Uhr.
  8. Sein Sohn, Herr Konrad· Galenbeck, welcher anno 1684 an der Kirche zu Bramstedt gedient als Pastor adjunctus, bei seines seligen Vaters Absterben aber völliger Pastor geworden, bis 1702.
  9. M. Daniel Hartnaccius, von anno 1702 bis 1707, [zahlreiche Schriften]
  10. Herr Johannes Petrus von Krichbaum, Darmstadio-Hassus , von 1707 bis 1725.
  11. Herr Johannes Joachimus Peper, Segeberg-Holsatus, ab anno 1725, officio pulsus 1729.
  12. Herr Magnus Crusius, Slesvicensus, bis 1733, darauf Pastor in Rendsburg.
  13. Herr Johann Georg Messarosch, Hungarus, [Freistadt an der Waag (Galgotzino, Ungarn)] von 1733 bis 1747 .
  14. Herr Detlev Chemni[t]z, vorher königlicher Legetations-Prediger in Spanien, wurde 1748 eingeführt. [ab 1. April 1773 Probst in Sonderburg +1780]

Weil zuerst die Schweden und darauf folgend die Polen die Orgel zu Bramstedt gar ruiniert, so haben die Kirchgeschwornen ein Positiv und Orgelwerk von der Glückstädter Stadtkirchen, ein Werk von Stimmen, 1667 gekauft, welches den ersten Advent-Sonntag selbigen Jahres zum ersten Mal geschlagen worden. Hierzu ist eine Anlage gemacht und eingehoben von jeder Feuerstätte 2 Mk. 8 Sch., deren sind damals 206 gewesen, tun 515 Mk. Vor das Positiv ist in Glückstadt, nur bezahlt worden 360 Mk. Es ist doch, bis es ganz fertig worden, mit allen Unkosten zu stehen gekommen auf 510 Mk..

Anno 1669: Weil die anno 1635 aufgeführte Turm- und Kirchmauer ganz baufällig worden, als  worinnen das hineingemauerte Holz  vergangen, dannenhero  das Mauerwerk gesunken, und beides, Kirche und Turm, in höchster Gefahr gestanden, so selbsten hat die unumgängliche Not erfordert, den Schaden zu bessern und mehreres Unheil zu verhüten. Haben also die Kirchgeschwornen es der Gemeinde kund getan, die dazu zum Bau sich resolvieret [entschlossen], auch den Kirchgeschwornen vier Gevollmächtigten, als Klaus Steckmest, Gerdt Wulf, beide aus dem Flecken, Titge Hardebeck aus Wiemersdorf Hinrich Titgen von Hitzhusen zugeordnet, und hat dieses Mal eine jede Feuerstätte an Zulagen bezahlen müssen 7 Mk. , machen von 206 Feuerstätten 1442 Mk.. Weil auch die Insten und Beiinsten die Glocken usw. der Zeit frei mit zu brauchen gehabt, haben die Insten zu dieser Zulage beigetragen ein jeder 3 Mk. und die Beiinsten 1 Mk. 8 Sch. . Diese Reparation des Turmes und der Kirche hat in allem gekostet 1387 Mk. 3 Sch..

Anno 1674 ist das Backhaus im Pastorathofe gebaut, kostet 140 Mk. 12 Sch.. In diesem Jahr ist auch die Kirchenlade gemacht, worin die Bücher liegen, kostet mit Schmidtarbeit und mit Anstreichen 5 Mk. 8 Sch..

 Anno 1677, da die Küsterei bei der großen Feuersbrunst, so durch einen Pulverwagen entstanden, mit eingeäschert worden, so ist dieselbe, in eben diesem Herbst wieder aufgebaut worden, kostet an bar ausgelegtem Geld 535 Mk. 11 Sch..

Weil anno 1678 am Freitag vor Palmarum [1. April 1678] in einem gar harten Sturm nachmittags der Meckler von dem Turm herunter und zusamt dem Hahn und Knopf auf die Kirche gefallen, und großen Schaden getan, welcher Schade wiederum gebessert werden müssen, so hat solche Reparation der Kirche gekostet 362 Mk. 7 Sch..

Anno 1683. Auf Erlaubung der Herren Kirchenvisitatoren, als des Herrn D. von Stöcken als Probsten, und Herrn Rat Reich sind zur Bezahlung des Turmbaues aus den Brunnen Geldern bezahlt 300 Mk..

Von 1678 bis 1688 hat sich jährlich die Kirchen Ausgabe höher belaufen als die Einnahme, daher die Kirche schuldig geblieben in Summe 1568 Mk., welche Schulden von denen dieser Kirchen bei dem Gesundbrunnen verliehenen Geldern genommen und selbige damit bezahlt sind. Hierzu nun gerechnet die 300 Mk., welche schon in anno 1683 von diesen Geldern zum Turmbau mit angewendet worden, so hat die hiesige Kirche allein von dem Gesundbrunnen profitiert 1868 Mk.. Nachdem diese Schulden bezahlt, sind von den übrigen Brunnengeldern, in anno 1688 zu 5 prozent auf Zinsen ausgetan 250 Mk..

Anno 1689 vor einige aus Kirchenholz gesagte Bretter, so ihrer Nässe halber zum Boden im Pastorathause nicht können gebraucht werden, sind gehoben 17 Mk. 8 Sch.. Von Hinrich Meinert in Hagen für einig zur Ungebühr gehauenes Kirchenholz, so bei seinem Erbe, empfangen 9 Mk..

Anno 1691 von Hinrich Meinert, Brüche [Strafgeld] für einig Kirchenholz, so er zur Ungebühr gehauen, 10 Mk. 8 Sch..

Da die Turmmauer an der Westerseite dermaßen baufällig worden, daß man alle Augenblick deren Einfall besorgen mußte, so ist in diesem Jahre dieselbe niedergebrochen und von Grund aus wieder neu aufgeführt worden, wozu jede Feuerstätte bezahlt 9 Mk.. Die Reparation dieser Mauer hat damals gekostet 2038 Mk. 3 Sch..

Anno 1686 vor das Begräbnis eines Leutnants von Cap. Koes Compagnie, der sich selbst unweit Bramstedt erschossen, als der in der Kirche begraben, 12 Mk., vor das Geläut bei dieser Beerdigung 3 Mk..

Anno 1688 vor das Begräbnis und Geläute bei Beerdigung des Herrn Auditors von dem Herrn Obersten Aderkaß 12 Mk..
Anno 1692 von dem Herrn Obersten von Aderkaß für das Geläute über sein Söhnlein, wie auch dessen Begräbnisstelle in der Kirche 9 Mk..

In dem Jahre 1688 der Beichtstuhl neu gebaut, kostet an Tischlerlohn 12 Mk.

Anno 1693 ist vor die Eröffnung des seligen Hinrich Möllers und dessen Erben zuständigen Begräbnis, als die Frau Majorin Cramersch den 31. Mai darin beigesetzt worden, gehoben 20 Mk.. Hierbei wird zur Nachricht der ganze Contract hergesezt, welcher dieses Begräbnisses wegen 1677 errichtet worden: „Kund und zu wissen sei hiermit männiglich, daß der Herr Major Johann Kramer für seinen seligen Herrn Schwiegervater, Herrn Hinrich Müller, gewesenen Proviant-, Ammunition- und Bau-Verwalter in Krempe, wie auch für sich selbst und seiner Frauen und Erben, eine ewige Erbbegräbnis von der Kirche zu Bramstede erkauft hat, an der Süderseite in gedachter Kirchen, nebst dem Altar bis an die Kirchenmauer, auf elf Fuß breit und acht Fuß lang, und soll der Herr Major und dessen Erben freie Macht, die erkaufte Begräbnis, auf vorbeschriebene Größe, mit Mauern aufzuziehen und mit einem Leichsteine zu belegen und ein Epitaphium in der Kirchen an einem bequemlichen Ort setzen zu lassen, um und vor 60 Reichsthaler an barem Gelde und eine silberne übergüldete Kanne, auf 40 Reichsthaler geschätzt, welche er der Kirchen zum ewigen Gedächtnis wegen seines seligen Herrn Schwiegervaters verehret, und ist den sämtlichen Kirchengeschwornen erwähntes Geld und die silberne Kanne zu selbsteigenen Händen vom Herrn Majoren überreichet und bezahlet und solches in dem Kirchenbuch verzeichnet worden. Wie [Maschinenschrift: Wogegen] sich die Kirchgeschwornen für sich und ihre Successoren verpfichtet, nimmer  zuzugeben, daß seIigen Herrn Müllers Erben noch sonst jemand den Leichenstein, über des seligen Hinrich Müllers Körper liegend, aufzunehmen oder daselbst einen andern zu begraben Macht haben, besondern bis zu ewigen Tagen solche Begräbnis uneröffnet bleiben soll. Das übrige von dem Platz, der 11 Fuß breit und 8 Fuß lang aber, unter dem Gestühle, mögen die Erben zu Nutze und zu gebrauchen haben, jedoch mit dem Bedinge, daß alle Mal bei deren Eröffnung der Kirchen ihr Gebühr dafür gegeben werde, wie zu Segeberg, Oldesloe und sonsten allerwärts gebräuchlich ist. Zu Urkund der Wahrheit und festen Haltung 1st dieses von dem Herrn Pastore und Juraten dieser Kirchen zu Bramstedt, eigenhändig unterschrieben, auch wegen Ihrer Königlichen Majestät unsers aller gnädigsten Königs und Herrn, als einzigen Patroni der Kirchen, von dem königlichen Herrn Regierungsrat und Amtsverwalter zu Steinburg und Segeberg, Herrn Nicolaus Brüggemann corroboriret [bestätigt] und bekräftigt.
So geschehen, Bramstede, den 20. Juli anno 1677.
N. Brüggemann, Detlevus Galenbecius, Past. Eccles. Bramst., Jörgen GIöye, Hinrich Lindemann, Claus Wischmann, Jasper rung.“

Anno 1694 für des hochseligen Herrn Obristen Otto Heinrich von Aderkaß in der Kirchen gekauften Erbbegräbnis sind gehoben 90 Mk., worauf desselben hinterbliebener hochadligen Frau Wittwen folgender Contract ausgehändigt: „Kund und zu wissen sei hiermit männiglich, daß des hochseligen Herrn Obristen Otto Heinrich von Aderkaß hinterbliebene Frau Wittwe, die wohlgeborne und hoch Tugend-begabte Frau Hypolepta Hedwig [Hippolyta Hedwig von Bardeleben, * 1663 +1701] für ihren hochseligen Eheherrn, sowohl auch ihr selbst, dero Kindern und andern Erben, unter dem Gehäge hiesiges Altars ein Erbbegräbnis vor 30 Reichsthaler soweit, als der darauf liegende Leichstein sich erstreckt, erkauft, wie auch die Zahlung dafür wirklich erfolgt. Wogegen sich die Kirchgeschwornen für sich und ihre Successoren verpflichten nimmer zuzugeben, solch Begräbnis zu ewigen Tagen zu eröffnen, es sei denn, daß die Eröffnung für jemanden der Erben dazu nötig sei, da solches gegen Erlegung der gewöhnlichen Kirchengebühren frei sein soll. Zu Urkund der Wahrheit und fester Haltung ist dieses von dem damaligen Pastoren zu Bramstede wie auch Juraten eigenhändig unterschrieben. So geschehen zu Bramstedt anno 1694, den 13.Mai.“

In dem 1695 Jahre am ersten Osterfeiertag ist von Tim und Tis Langhinrichs ein großer silbern vergoldeter Kelch aufs heilige Altar verehrt worden.

Anno 1698 vor des hochseligen Herrn Hans von Bähren Begräbnis sind gehoben 72 Mk.. Wegen dieses Begräbnis ist ein Conbtract zugegeben, in folgenden Terminis bestehend „Kund und zu wissend sei hiermit jeder männiglich, insonderheit denen, so daran gelegen, daß wir Endes benannte, als jetziger Zeit Administratores der Bramstedtischen Kirchengüter, nomine jetz gedachter Kirchen, eines beständig, ewig und unwiderruflichen Erbkaufs verkuatf haben, verkaufen hiermit nochmalen in bester, beständigtster Form und Weise rechtens an die hochwohlgeborne Charlotta Olgard Hedwig, geborner von Ahlefeldt, anjetzo verwittweter von Bähren, eine zwischen dem Altar und Beichtstuhl nebst den Stedingschen und Vagdischen Begräbnissen gelegenen anderen Begräbnis 9 Fuß lang und 5 Fuß breit, zur Beerdigung ihres seligen Eheherrn, des weiland auch hochwohlgebornen Herrn Hans von Bähren um und vor 24 Reichsthaler, welche Summa sie auch bereits bar bezahlt und entrichtet hat und wie vor hoch bemeldete Frau Käuferin und ihre Erben zugleich hiermit ebenfalls quittieren, als an dergestalt, daß besagte Begräbnis deroselben und ihren Erben zu ewigen Tagen soll erb- und eigentümlich zustehen, doch mit dem Vorbehalt, wenn selbige ausgenommen etwa bedürfender Reparation heute oder morgen, nachdem nun die hochselige Leiche von dem Herrn Hans von Bähren darin beigesetzt, auf einen andren, gebe Gott noch lange außen bleibenden Sterbefall sollen wieder öffnen wollen, der Kirchen die in solchem Kasu gewöhnliche Gerechtigkeit geschehe. Hingegen verpflichten wir uns, vor uns und unsre Successoren, im Namen jetziger unsrer hohen Kirchen-Visitatoren, als welche diesen Contract sämtlich consentiret, namentlich seines Excellenz des Geheimen Rats u.s.w. Andreae Pauli von Liliencron als jetziger Zeit Oberamtmann zu Segeberg, desgleichen sr. Magnifizenz des Herrn Justizrats Reimer Petri von Rheder, Vice Amtmann daselbst, sowohl auch seiner Hochehrwürdigen des Herrn Vice-Praepositus Petri Antoni Burchardi, daß die Kirche weder jetzt noch künftig einige Praetensionies, ex quo capite vel causa sie auch immer herrühren möchten, auf mehr ermeldete Begräbnis zu machen befugt sein, dasselbe auch von derselben unterdiret und außer geheiß und Vorwissen der Frau Käuferin und ihrer Erben zu ewigen Zeiten uneröffnet bleiben sollen.  Alles sonder List und Gefährde [?]. Wie wir denn auch zu mehrerer Sicherheit diesen Contract nicht nur mit eigenen Händen unterschrieben, sondern ihn auch wirklich von Wort zu Wort unserm Kirchenbuch einverleibt. So geschehen zu Bramstedt anno 1697 den 7. Januar. Conrard Henr. Galenbeck, Ecclesiae patriae Pastor, Johann Bartels, Jürgen Hardebeck, Marx Gripp, Hinrich Mohr.

Anno 1699 vor des Rittmeisters Weisern aber nicht erbliche Begräbnis sind 24 Mk.
1700 vor des Regiments Feldschers von Herrn Obristen Berendorfs Kind, so in der Kirche an einem abgelegenen Ort begraben, gehioben 6 Mk.

Anno 1701 ist der Turm gedeckt und angestrichen, kostet 470 Mk.

Anno 1701 ist die Orgel in der Kirche gebaut, wozu der Herr Kommissär Averhoff nicht nur eine gute Summe von guten Freunden kollektiret, sondern

auch selbst zur Bemahlung 40 Reichstaler verehrt, auch überdem versprochen, eine silberne Kanne auf dem Altar von 40 Reichstaler Wert zu schenken, wogegen demselben von den Herren Visitatoren ein Platz in der Kirche zu zwei Leichen vergönnt, und auch erlaubt worden einen Kirchenstand an der· Wand neben dem Kinderhause zu bauen. Die silberne Kanne ist daher 1714 von der

Frau Kommissärin Averhoff wirklich geschenkt, und hat gekostet 200 Mk. 12 Sch.. Sie sind aber beide zur Beerdigung nach Segeberg gebracht, und nachdem der Herr Kommissär Wulff als Successor i offizio die Averhoffschen Häuser und Jura käuflich an sich gebracht, hat derselbe sowohl den Kirchenstand gebaut als auch den Begräbnisplatz erhalten. Erliegt auch unter der Orgel begraben.

Anno 1704, 1705 und 1706 haben die Kirchgeschwornen, weil der adlige Hof zu Bramstede vor 4 wüste Hufen in Hitzhusen und eine Hofstelle die Anlagsgelder á 7 Mk. 4 Sch. und 2 Mk. 8 Sch. und 2 Pfg.  nicht bezahlen wollen, solches durch Execution, nämlich Wegnehmung des Korns vom Felde eingetrieben, das Korn dreschen lassen und verkauft, und davon der Kirche das erste Mal 29 Mk., das andre Mal 15 Mk., und das dritte Mal 12 Mk. zur Einnahme gebracht.

1725 ist eine große Feuersbrunst im Flecken gewesen.

1752 das Dorf Brokstedt abgebrannt.

Anno 1736 ist der neue Klingbeutel von Harm Harbeck aus Hamburg, so in Bramstedt zu Hause gehöret, an die Kirche geschenkt worden, in diesem jahre ist auch verordnet, daß an den hohen Festtagen die Becken vor die Kirchtüren, zur Reparation der Kirche sollen ausgesetzt werden.

Anno 1731 hat Hans Meier den Turm angestrichen, wovor er an Arbeitslohn empfangen 47 Mk.. Die Farbe koste 44 Mk., vor Töpfe und Feurung 2 Mk. 10 Sch. .

Anno 1733 ist der ganze Kirchenboden angemalen, wozu die Kosten von guten Freunden hergegeben und insonderheit die blaue Farbe von einem unverehelichten Schmidt geschenkt worden.
Alsauch in diesem Jahre die große Glocke geborsten, ist dieselbe von dem Glockengießer Strahlborn in Lübeck wieder umgegossen und neu gemacht worden, kostet an Gießerlohn und Zusatz 728 Mk. , den Gesellen Trinkgeld 9 Mk. , vor ein neu Glocken-Hövet 12 Mk. , vor einen Eisenzug 14 Mk. , dem Zimmermann 4 Mk., Zehrungskosten vor den Glockengießer und seine Gesellen 20 Mk., andere Unkosten in Lübeck 23 Mk. 2 Sch., Fuhrlohn, die Glocke von Lübeck herzufahren 30 Mk..

Anno 1735 ist mit Bewilligung der Herren Visitatoren das Pastoratsholz in der Ah [nördlich der Bimöhler Straße]  verkauft worden, wovor 200 rtlr. gelöset worden, wovon der Pastor loci die ganze Turmmauer der Westerseite abgenommen und neu aufgeführt, wie auch der Turm selbst aufgeschroben, mit Holz mehr befestigt und verbunden, und anstatt der Leden [?] große Steine unter die Pfeiler gebracht worden. Diese Reparation an der Kirchen allein hat dieses Jahr gekostet 1407 Mk..

1700 sind die Friedensverhandlungen zwischen dem Könige von Dänemark, Schweden und Herzog von Holstein zu Oldesloe angefangen, von da nach Bramstedt, bald aber nach Travendahl verlegt und am letzten Orte der Friede geschlossen.

1751 ist Herr Baron von Printz hergekommen, um das von seiner Tante, der Baronesse von Groocken, ihm zedierte Gut Bramstedt anzutreten.

1751 hat der Königliche Amtmann Graf Christian Günther zu Stolberg das von Baron Printz erkaufte Gut Bramstedt angetreten und den Hans Friedrich Göttsch und Max Schümann ihrer daran habenden Prätentionen wegen befriedigt. Das Gut Bramstedt ist so durch den Herrn Grafen Stolberg verbessert, daß sein Andenken den Untertanen billig unvergeßlich ist. Er hat die Leibeigenen für ein mäßiges freigegeben, schöne neue Häuser teils auf  eigene Kosten bauen lassen oder Materialien dazu geschenkt.

1751/52 ist das alte auf dem Hofe Bramstedt gestandene Schloß abgebrochen worden, welches zu bedauern.

1756 ist das Gut Bramstedt Ton dem Herrn Grafen von Stolberg an den Regierungsadvocaten Herrn Marous Nicolaus Holst, bisher wohnhaft in Breitenberg, abgetreten worden. Der Herr Graf ist kurz darauf als Hofmarschall der Witwe Königin Sophia Magdalena nach Kopenhagen gereiset und den 8. September der Herr von Reizenstein, gewesener Hofmarschall, als Amtmann zu Segeberg hier angekommen.

1757 ist der zum Amtmann ernannte Graf Wedel von Wedelburg, Geheimrat, allhier angekommen.

1758 den 22.Juni ist der Stab des Oldenburgischen Kürassierregiments hier eingerückt und die königlichen Truppen hier im Lande verteilt, wegen der von Rußland befürchteten Unruhen.

Den 29. Juni ist auf dem Hofe Bramstedt eine starke Feuersbrunst entstanden, dadurch alle mit Stroh gedeckte Häuser beim Hofe nach Süden, auch im hohen

Tor und Hinterstraße einige eingeäschert worden, und das Amtshaus in Gefahr gewesen.

1759 den 29.Januar ist der Herr Graf Wedel gestorben und der Konferenz- und Landrat Johann Friedrich Arnold zum Amtmann zu Segeberg ernannt worden, der das Amt den 12. September angetreten.

Den 21.Juni hat der König Friedrich V. über die in hiesigen Gegenden liegende Infanterie und Kavallerie bei Lutzhorn Revue gehalten, da unterschiedene Manövers und Attacken gemacht worden.

1760 den 21. Juni ist der König Friedrich V. hier durch und nach Travendal, und hat sowohl auf der Hin- als Herreise den 28. Juni  im Amtmannshause gespeiset.

1761 ist im Frühjahr der hiesige Gesundbrunnen, der bereits um 1680 besucht worden, aufs neue in Ruf gekommen, sodaß von vielen Örtern hiesigen Landes, sonderlich von Steinburg sich viele dabei eingefunden, und zur Bequemlichkeit ein bretternes Häuschen dabei erbauet werden müssen. Von den Almosen, die bei dem Brunnen gegeben worden, hat die Armenkasse, nach Abzug der Kosten, bei 500 Rthl erübrigt.

1762 sind die königlichen Truppen hier durch nach dem Segebergischen, Lübeck und Mecklenburg gegangen.
Den 14. Juli ist der König von Travental hier durch passiert. Da den 9.Juli der Russische Kaiser Peter Feodorewitsch abgesetzt worden und den 18.Juli gestorben, so ist das dänische Reich nebst Holstein von der Gefahr des russischen Krieges befreit worden, und die königliche Armee unter Kommando des Generalfeldmarschalls Grafen St. Germain ist aus dem Mecklenburgischen zurück marschiert, aber auf dem Rückmarsch nicht (wie beim Hinmarsch zu großer Beschwerlichkeit der Einwohner geschehen) in den Häusern einquartiert worden, sondern hat in kleinen Lagern kampieren müssen. Den 11. August sind die schweren Kanonen zurückpassiert. Den 13. hat ein kleines Lager bei Fuhlenrühe gestanden.

1763 den 28.Juni ist wegen des Friedens ein Dankfest gehalten und hier in Bramstedt über 1.Könige 8, 56, 57 gepredigt. worden.

1766 hat die Viehseuche hier stark grassiert, sodaß in kurzer Zeit fast alles Vieh weggestorben.

1767 den 20. Juli ist der König Christian VII. hier durch passiert nach Travental, und hat im Amthause gespeiset.

1770 den 6.Juli ist der König abermals mit der Königin Karoline Mathilde hier durch nach Travental passiert.

1772 ist der Herr Konferenzrat Arnold, Ritter, nachdem er seine Demission  selbst gesucht und erhalten, von hier abgereiset und den 21.Juni der neue Amtmann Herr Tygo Rothe, Justizrat, hier angekommen.

Den 27. September ist die neue Großenasper Kirche eingeweiht worden.

1773 ist der Justizrat Rothe von hier abgereist und der an seiner Statt ernannte Amtmann Herr Konferenzrat Schumacher hier angekommen. Dieser Amtmann war der letzte, welcher im hiesigen Flecken wohnte. Nach seinem Abgange im Jahre 1778 wohnten die Amtmänner in Segeberg. Das alte, sehr baufällige Amthaus ward 1839 abgebrochen, anstatt desselben auf der Stelle zwei neue massive Häuser unter einem Dache gebaut, deren erste Besitzer waren: der Verwalter auf dem Hofe Bramstedt, Jacob Reimers, und der Zollverwalter Johann Georg Herzog. Da aber Reimers bald von hier gezogen, hat er sein Haus an den Chaussee-Inspector Kapitän von Bruhn verkauft.

(Das Vorstehende .. wurde von mir abgeschrieben von einer stenographischen Abschrift meines Vaters. Der Urtext liegt im hiesigen Pastorat im Kirchenarchiv.  Bad Bramstedt, d. 18. Aril 1910  Christian Kühl, cand. med.)

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