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Quelle: http://www.rsg-cham.de/html_version/schule/geschichte/luckner/luckner.htm
Nikolaus Luckner - Der Waldler und die Marseillaise
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Der Chamauer Nikolaus Luckner brachte es zum ersten Soldaten Frankreichs
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Viele sind aus dem Ärmsten Teil Bayerns, aus der Oberpfalz und dem Bayerischen Wald, ausgezogen, um draußen in den Ebenen zu
Brot und Ehre zu kommen. Manche haben sich einen Namen geschaffen: Albrecht Altdorfer, Erasmus Grasser, Georg Linprunn,
Nepomuk Ringseis, Johann Andreas Schmeller, die Rosa Sucher aus Velburg, Johann Michael Fischer, Michael Doeberl, Max Reger,
Hans Watzlik. Kaum einer aber ist so hoch auf der Weltenleiter gestiegen wie jener Gastwirtssohn aus Cham, der als Maréchal de
France in Paris unter der Guillotine endete, Graf Nikolaus von Luckner.
Der »Chamauer Wildfang« wird er überall geheißen, zuerst daheim bei den Eltern, den Wirtsleuten "Zur Gans" (später heißt es "Zum
Schwan"), und dann in Passau bei den Jesuiten, die ihm des öfteren das Zeugnis von "Leichtsinn und Wildheit" ausstellen. Auf der
Landesuniversität in Ingolstadt erwirbt er sich gar den Beinamen "Libertinus". Schon damals also zeichnet sich die Wesensart
Luckners ab: der Abenteurer, der tollkühne Reiterführer, der bedenkenlose, erwerbstüchtige, gerissene, intrigierende Partisan der
französisch gearteten großen Welt des ausgehenden Rokokos und der friderizianischen Kriege.
Luckner wurde am 12. Januar 1722 in Cham geboren; er war etwa 18 Jahre alt, als er die Universität verließ, das Jurastudium aufgab
und dem Ruf des bayerischen Kurfürsten Karl Albrecht folgte, als Freiwilliger in einem Regiment zu Pferde, das nur vermögende
Bürgersöhne aufnahm. Uniform, Waffen und Pferde mußten aus eigener Tasche bezahlt werden. Zwei Chamauer, die mit Luckner in
Ingolstadt studiert hatten, Mayerlipp und Altmann, folgten seinem Beispiel.
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Sein gefürchteter Wagemut
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Der Kurfürst war Kaiser geworden, ein Erbfolgekrieg brach aus; Bayern mußte sich gegen die Österreicher zu Wehr setzen.
Zusammen mit dem gleichaltrigen Johann Kaspar Thürriegel aus dem Amt Mitterfels, der später in der spanischen Sierra kolonisierte,
und dem etwas Älteren Michael Gschray aus demselben Amt, der es später zum preußischen General brachte, zeichnete sich
Luckner gleich bei der Verteidigung von Straubing (1742) aus, wie ein Bild im Bayerischen Nationalmuseum zeigt. Im selben Jahr wird
Luckner rühmend bei Nördlingen erwähnt, und gleich darauf bei Ismaning, wo er seinem Kameraden Gschray das Leben rettete.
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Luckner als Kurfürstlich Hannoverscher Generalleutnant 1761. - Raiffeisenkasse Cham
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1745 geht der »kleine Chamauer« mit dem Regiment Frangipani in niederländische Dienste. Im selben Regiment diente
damals als Felscher Johann Kaspar Schiller, der Vater des Dichters. 1756 bricht der Siebenjährige Krieg aus; Luckner kommt durch Vermittlung des Herzogs von Cumberland in
hannoveranische Dienste und ist nun Major im Heere Ferdinands von Braunschweig, des Schwagers Friedrichs des Großen. Luckner kämpft nun unter preußischen Fahnen. Anläßlich
dieses Wechsels gibt ein Brief des Sekretärs Westphahl an den Herzog Ferdinand einigen Aufschluß über das Erscheinungsbild Luckners: Man halte nicht viel von dem
kleinen, sich komisch gebarenden Mann (»maintien comique«), den man seinem Auftreten nach eher für einen Marktschreier halten könnte (»on eut pris pour un vendeur de
Mithridats«); schauderhaft sei die Sprache seiner unverständlichen Berichte (»par son jargon incrompréhensible de ses rapports«); oft schien es ihm am gesunden
Menschenverstand zu mangeln (»semble n’avoir pas le sens commun«); aber er besitze eine geniale Veranlagung für den Kleinkrieg (»un don particulier pour la petite
guerre«);
Niemand sei so listig wie er und vestehe jede Lage augenblicklich zu durchschauen und auszunutzen (»personne
n’est plus rusé que lui qui ne raisonnait plus juste pour tirer parti de l’occasion présente«). Wahrscheinlich sprach Luckner in der Erregung immer noch seinen
Waldlerdialekt, und den verstand niemand.
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Aber General Wagenheim ist begeistert von Luckners soldatischen Talenten: ”Er tut Wunder; er greift auch zehnfache Übermacht an
und wirft sie zurück.” 1762 bekennt Ferdinand von Braunschweig: ”Luckners manoevres sind admirabel.”
Tatsächlich ist der Führer der kleinen, unerschrockenen Reitertruppe mit den roten Hosen, den gelbverschnürten grünen Pelzen und
den ungarischen Flügelklappen bei allen Feinden berühmt und gefürchtet wegen seiner wagemutigen Überfälle. Man könnte Seiten
füllen mit der Aufzählung der Gefechtsberichte: Luckner erobert in wenigen Stunden Krefeld, brandschatzt Ürdingen mit 2000
Louisdors und 15.000 Rationen; 1759 überfällt er bei Holzhausen eine französische Abteilung, von der nur wenige Mann im Hemd
entkommen; der Brigadegeneral Dessales, alle seine Offiziere und 168 Mann werden gefangen genommen. Bei Lage entlockt er dem
Feind durch List die erste Salve und macht ihn nieder, bevor er wieder zum Laden kommt. Bei Herford nimmt er einer großen
Feindabteilung das Kriegsarchiv und das ganze Stabsgepäck ab. Bei Niederbrechen erobert er über 100 Pferde und Gepäckwagen.
Fulda überfällt er, als der Herzog von Württemberg gerade einen glänzenden Ball gibt, zu dem alle Honoratioren der Stadt mit ihren
Damen eingeladen sind; 1200 Offiziere und Soldaten werden dabei gefangen genommen. Luckner schnappt den Grafen von Murat mit
seinem ganzen Stab, schlägt bei Mardorf und Emsdorf ein ganzes französisches Korps und macht einen Marschall und fast 3000
Offiziere und Mannschaften zu Gefangenen. 1761 erobert er ein Magazin mit 6000 Getreidesäcken und nimmt ein Dragonerregiment
sowie ein Schweizer Regiment gefangen. 1762 übersteigt er mit seinen Reitern nochmals die Mauern von Fulda, hebt die ganze
Besatzung aus, erbeutet 300 Ochsen und bekommt 70.000 Taler Kontribution; anschließend nimmt er Kassel ein. Allein im Jahr 1761
macht er 1507 Gefangene und schreibt: ”Herr Jesus, was sollen wir mit all den Gefangenen machen?”
Diese Erfolge brachten Luckner nicht nur Beförderungen ein, sondern auch ein beachtliches Vermögen. Der Waldler verstand mit dem
Geld umzugehen. Jeden Vorteil nutzte er und ging dabei nicht immer legale Wege. Einen großen Teil des Erbeuteten, der
Kontributionen und der Lösegelder behielt er für sich. Dazu kamen die vielen Geschenke, die Belohnungen, die ”Douceurs”. Das
verschaffte Luckner schließlich ein Heer von Neidern und Feinden, aber schon 1761 kaufte er für 100.000 Taler das Gut Blumendorf in
Holstein, später erwarb er dazu noch das Schloß Schulenburg. Er heiratete nun eine reiche adlige Dame und betrieb mit so gutem
Erfolg die Bewirtschaftung seines Gutes, daß ihn sein neuer Landesherr, der König von Dänemark, in den erblichen Grafenstand erhob
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Luckner vor dem brennenden Courtrai - Stich von Boilly nach einem Gemälde von Louis
Couder. Österreichische Nationalbibliothek, Wien
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Aber 1763 ging der Krieg zu Ende, das Heer wurde aufgelöst, die meisten Generale entlassen. Luckner nahm mit
mehreren Staaten Verbindung auf. Die Zarin Katharina wollte ihn für Rußland gewinnen und verlieh ihm 1763 den St. Anna-Orden, aber Luckner wartete noch. Da bot ihm der
französische König das Kommando über das Regiment »Burgund« an. Es sollte ihm den Rang eines Generalleutnants und ein Salär von 30.000 Livres bringen. Luckner
vererbt nun seine Güter in Holstein an seinen Sohn Nikolaus und geht nach Frankreich. Dort erhofft man sich von dem alten Haudegen Großes für das französische
Heer. Es geht mit Luckner auch ganz gut vorwärts. Schließlich ernennt ihn der König zum Maréchal de France mit dem Sitz in Straßburg. Luckner ist nun der erste Soldat
Frankreichs.
Als 1789 die Revolution ausbricht, ist Luckner 67 Jahre alt. Er muß sich anpassen und tut es auch, aber nur mit
halbem Herzen. Von den Jakobinern wird er argwöhnisch als Mann des »ancien regime« betrachtet. Aber noch geht alles gut. Der junge Pinonierleutnant Rouget de l´Isle
überbringt dem Straßburger Stadtkommandanten Luckner 1792 jenes Feuerlied für die Rheinarmee, das gleich darauf als »Marseillaise« zur Nationalhymne für die
Revolution und für ganz Frankreich wird.
Die Marseillaise als Midi anhören
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Aber nun sinkt Luckners Stern schnell. Die Monarchie wird abgeschafft, der König enthauptet, die Preußen und Österreicher fallen in
die Champagne ein und die Radikalen gewinnen die Oberhand. Luckner wird zu Nordarmee versetzt, hat einige Erfolge in Flandern;
doch dann vesagt er gegen die immer stärker einreißende Zuchtlosigkeit des französischen Heeres. Er wird nach Metz versetzt, dann
nach Chalons und soll ein Freikorps aufstellen; doch als ihn die Soldaten offen verhöhnen und auch die Regierung in Paris ihn
demütigt, gibt er sein Amt auf, legt den Marschallstab nieder. Aber auf seine Pension will er nicht verzichten - und das in einer Zeit, wo
in Frankreich die Finanzen vollständig zerrüttet sind. Um seine Geldforderungen einzutreiben, begibt sich Luckner nach Paris und fällt
dort dem berüchtigten Ankläger Fouquier-Tinville in die Hände. Seine Geldforderungen wurden abgewiesen und das war bei der
herrschenden Geldnot kein Wunder. Dafür wurde er, zu Unrecht, in den Hochverratsprozeß Dumouriez-Custine verwickelt und nach
zwei Jahren zum Tode verurteilt. Am 4. Januar 1794 bestieg er das Schafott.
Beitrag aus: Unser Bayern / Heimatbeilage der Bayerischen Staatszeitung, Jahrgang 38, Nr. 12 vom Dezember 1989 (Verfasser: Max Lachner)
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