1957: Einweihung des Ehrenmals 1939-1945

In den Bramstedter Nachrichten vom 15. und 18.11.1957 erschienen folgende Beiträge zur Einweihung des Denkmals der im Kriege 1939-45 Gefallenen. Es fällt auf, dass von 12 Millionen Kriegstoten die Rede ist, was wohl die deutschen meint und nicht die anderer Staaten.
Ergänzt habe ich Kopien der in dem Artikel erwähnten Spenden, die über Anteilsscheine eingeworben wurden.

Denkmal_1939-45

15.11.1957: Die Arbeiten beim neuen Ehrenmal im Herrenholz sind soweit vorgeschritten, daß das Mauerwerk — der Säulengang — fertiggestellt ist. Im Augenblick wird der Weg gepflastert. Der Gestalter des Ehrenmals, Gartenarchitekt Lüttge, Hamburg, konnte sich kürzlich von den guten Fortschritten beim Bau des Ehrenmals überzeugen. Herr Lüttge, der auch die Gesamtleitung des Baues inne hat, bedankt sich sehr herzlich bei dem Ehrenmalausschuß für die bisher geleistete Arbeit.

Am kommenden Sonntag, dem 17. November 1957, — am Volkstrauertag — wird mit dem Schlußstein eine Kassette eingemauert, die eine Urkunde, die Protokolle l des Ausschusses für Errichtung eines Ehrenmals 1939/45 s sowie verschiedene Schriftstücke, Bilder und Zeitungen ‚ enthält. Die Einmauerung findet im Anschluß an die Feierstunde anläßlich des Volkstrauertages statt.

Im kommenden Frühjahr werden die gärtnerischen Arbeiten in Angriff genommen. Wenn dann das neue Ehrenmal endgültig keiner Bestimmung übergeben werden kann, dann wird es eine Gedenkstätte sein, die mustergültig und beispielhaft dasteht! Der Beauftragte der Landesregierung Schleswig-Holstein, Regierungsbaurat Rose, hat bereits das Bramstedter Ehrenmal als vorbildlich hingestellt! Darüber hinaus aber wird es eine würdige Gedenkstätte sein, die unserer heutigen Einstellung zum Tode entspricht.

18.11.1957:

Schlußstein Ehrenmal 1939-1945 gelegt

Gestern vormittag wurde im Anschluß einer Feierstunde zum Volkstrauertag der Schlußstein in das Mauerwerk des Ehrenmals 1939—1945 gesetzt. Die Abordnungen der Bramstedter Verbände, unter ihnen Bürgermeister Gebhardt und Gartenarchitekt Gustav Lüttge, der Gestalter des neuen Ehrenmals, nahmen daran teil. Der Vorsitzende des „Ausschusses für Errichtung eines Ehrenmals 1939—1945″, Otto Kruse, wies in einer kurzen Ansprache auf die Bedeutung dieses Augenblicks hin. Zur Erinnerung an diesen Tag wurde mit dem Schlußstein eine kupferne Kassette für die Nachwelt eingemauert. Die Kassette hat dankenswerter Weise Klempnermeister Heinrich Kiel, Bad Bramstedt, dem Ausschuß zur Verfügung gestellt. In der Kassette befanden sich eine Ausgabe der „Bramstedter Nachrichten* vom 15. 11. 1957 (Nr. 267), die Protokollhefte des Ehrenmalausschusses, 5 Anteilscheine und 30 Sammlerausweise von der Sammlung für das Ehrenmal, eine Zeitschrift „Garten und Landschaft“, in der Regierungsbaurat Rose, Kiel, das Ehrenmal als mustergültig hinstellt, zwei Fotografien vom Arbeitseinsatz beim Ehrenmal sowie eine Urkunde des Ehrenmalausschusses.

Die Urkunde, die Otto Kruse verlas, hatte folgenden Wortlaut:

Urkunde

zum Ehrenmal für die Opfer des zweiten Weltkrieges 1939—1945 der Stadt Bad Bramstedt

Am 13. Januar 1954 wurde in Bad Bramstedt von den Vertretern der Vereine, Verbände, Schulen und andere Körperschaften ein Ausschuß gewählt, der den Auftrag erhielt, für die Opfer des 2. Weltkrieges ein Ehrenmal vorzubereiten und zu errichten.
Dieser Ausschuß bestand aus folgenden Personen:
Vorsitzender: Otto Kruse — als Vertreter des „Volksbundes deutscher Kriegsgrä­berfürsorge“
Schriftführer: Otto Schnepel — als Vertreter der Bramstedter Gesangvereine
Kassenfiihrer: Fritz Rettke — als Vertreter des „Verbandes deutscher Soldaten“
Beisitzer: Heinrich Papke — als Vertreter des »Bundes vertriebener Deutscher“
Herbert Brauer — als Vertreter des „Reichsbundes der Kriegs- und Zivilbeschädigten, Sozialrentner u. Hinterbliebenen“
Werner Sandow — als Vertreter des Heimkehrerverbandes

Der Entwurf zum Ehrenmal stammt von dem Gartenarchiteklen Gustav Lüttge, Hamburg 36, Warburgstraße 33, der auch die Gesamtleitung der Bauarbeiten inne hatte. Die Mittel zur Erstellung dieses Ehrenmals wurden durch freiwillige Spenden aus allen Bevölkerungskreisen der Stadt Bad Bramstedt aufgebracht. Die Erdarbeiter: und der größte Teil der notwendigen anderen Arbeiten sind im freiwilligen Arbeitseinsatz von den Bramstedter Vereinen, Verbänden, Schulen und Handwerkern unter Leitung von Otto Kruse getätigt worden.

Die Einmauerung dieser Urkunde erfolgte am Sonntag, dem 17. November 1957 — am Volkstrauertag. Mit dieser Urkunde wurden die Protokolle des Ausschusses, verschiedene Schriftstücke, Bilder u- Zeitungen eingemauert.

Zur Zeit der Erbauung dieses Ehrenmals war
Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland: Theodor Heuß,
Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland: Konrad Adenauer,
Ministerpräsident des Landes SchlesWig-Holstein: Kay Uwe von Hassel,
Landrat des Kreises Segeberg: Dr. Alnor,
Bürgervorsteher der Stadt Bad Bramstedt: Otto Kruse,
Bürgermeister der Stadt Bad Bramstedt: Heinrich Gebhardt.

Unerbittlich hat das Schicksal im zweiten Weltkrieg 1939 – 1945 zugeschlagen, ohne Ansehen der Person, ob arm oder reich, Nord- oder Süddeutscher, Bürgerlicher oder Sozialist, ob evangelisch oder katholisch — alle sind sie unter der Sense gefallen. Es traf nicht nur die wehrhafte Mannschaft, sondern auch Mütter und Mädchen, Greise und Kinder. Zwölf Millionen fielen in beiden Weltkriegen an den Fronten, im Bombenhagel der Städte, auf der Flucht oder hinter dem Stacheldraht der Gefangenenlager.

Trotz Kriegs- und bitterster Nachkriegsjahre hat das deutsche Volk nicht verlernt, seine Gefallenen zu achten und zu ehren. Ein Volk, das seine Toten nicht mehr ehrt, hat seine Kraft und damit seine Daseinsberechtigung verloren!

Das hier erbaute Ehrenmal soll sein eine Mahnung an das lebende Geschlecht und deren Nachkommen, die Opfer des Krieges nicht zu vergessen! — Die Toten mahnen! Sie mahnen zum Frieden! So soll das Ehrenmal auch sein ein Mahnmal für den Frieden!

„Sorgt ihr, die ihr noch im Leben steht,
daß Frieden bleibe,
Frieden zwischen den Menschen,
Frieden zwischen den Völkern!“
(Bundespräsident Prof. Theodor Heuß)

Bad Bramstedt, den 17. November 1957

Der Ausschuß für Errichtung des Ehrenmals 1939—1945

(Fritz Rettke war z. Zt.
der Einmauerung
dienstlich ortsabwesend)
Kassenführer
gez. Otto Schnepel
Schriftführer
gez. Otto Kruse
Vorsitzender
gez H. Brauer
Beisitzer
gez. H Papke
Beisitzer
gez. W. Sandow
Beisitzer

 Nach Verlesung dieser Urkunde wurde die Kassette von Herrn Heinrich Kiel zugelötet und dann mit dem Schlußstein eingemauert. Abschließend rief Otto Kruse die Versammelten auf, auch weiterhin dem Ehrenmalausschuß in seiner Arbeit zu unterstützen.

Anteilschein 10 DM; es gab ihn auch in 1 DM, 2 DM und 5 DM

Anteilschein 10 DM; es gab ihn auch in 1 DM, 2 DM und 5 DM

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